Krisenmanagement? Fehlanzeige!

„Ein Jahr Pandemie und kein Stückchen weise“, so kann man resümieren, was uns fassungslos zurücklässt. 

Bislang hatten wir Deutschen in vielerlei Hinsicht das gute und sichere Gefühl, dass zwar nicht alles perfekt, aber dennoch gut läuft. Klar wußte man, dass die Digitalisierung bei uns nicht das erstes Staatsziel darstellt, aber soweit läuft alles doch ganz gut, dachte man sich und folgte den Routinen des eigenen Alltags. Man baute sich seine Existenz, sein Leben und auch sein Zuhause auf. Man fuhr regelmäßig und gerne in den Urlaub und man hatte eine tiefe Zufriedenheit in das eigene Vorankommen und die Sicherheit, dass Deutschland immer gut durch Krisen manövriert wurde. 

Doch in der jüngeren Geschichte hatten wir es lediglich mit  Krisen zu tun, die mit sehr viel Geld und noch mehr Vertrauen in den Deutschen Staat sehr gut gemeistert wurde.n Die Finanzkrise und deren Bewältigung gab einem das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des deutschen Staates. Das „Wir-schaffen-das“ in der Flüchtlingskrise gab vielen von uns ein behagliches Gefühl der Mildtätigkeit, die dem eigenen Ego und der deutschen Identität – insbesondere vor der Hintergrund der geschichtlichen Verwirrungen – gut tat. Selbstverständlich hakte es in der Bewältigung an vielen Stellen, aber im Ganzen schien alles noch ein rundes Bild zu geben. Man wußte, dass nicht alles gut verläuft, aber das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates wurde selbst durch die Vorfälle in der Neujahrsnacht am Kölner Hauptbahnhof nicht in Gänze erschüttert. 

Nun, ein paar Jahre und viele Covid-19-Viren später sind wir in unseren Grundfesten erschüttert. Begab man sich im März 2020 noch voller Zuversicht in den ersten Lock-down, um Schlimmeres zu verhindern, lassen einen die Entscheidungen von Hüpf zu Hüpf, die ein Jahr  und nur wenige Erkenntnisse später getroffen werden, entmutigt, traurig, erbost und voller Zweifel in die Führungsfähigkeiten der eigenen Regierung zurück. Unter dem Brennglas der Pandemie zeigen sich große Lücken in der Entwicklung unseres Landes in die Zukunft. Dass wir die Digitalisierung verschlafen haben, wird nun selbst den letzten Digitalisierungskritikern bewußt. Unser Bildungssystem ist geprägt von Ideenlosig -und Ungerechtigkeit, dass auch hier die Digitalisierung des Unterrichts auch nach einem Jahr nicht gelöst wurde zeigt in welcher dramatischen Situation wir uns befinden. Selbst unter dem Brennglas der Pandemie, das schonungslos die Missstände aufzeigt, sind wir nicht mehr zur Lösung der drängenden Probleme in der Lage. Beschämend ist die Faxkommunikation der Gesundheitsämter (aber auch die Justiz kennt diesen Kommunikationsweg im Jahr 2021 als den einer modernen Behördenkommunikation). Hendrik Streeck als karriereberußter Virologe erforscht zwar die Übertragungswege im Erstbefall-Gebiet Heinsberg, aber anscheinend ist niemand daran interessiert die Übertragungsorte des Covid-19-Virus in unserem Land wissenschaftlich zu erforschen. Warum nicht? Wissenschaftliche Erkenntnisse könnten uns doch dabei helfen, vernünftige Öffnungsstrategien für den Einzelhandel, Kulturstätten, Gastronomie und und und zu entwickeln. Wenn wir zu der Erkenntnis kämen, das 90 % aller Covid-19 Übertragungen im privaten Bereich stattfinden, bräuchte kein Gastronom, kein Kulturschaffender oder Einzelhändler seine Existenz nur deshalb verlieren, weil wir nicht dazu in der Lage sind, in Gang zu kommen, um möglichst viele Erkenntnisse zum Covid-19 Virus zu erlangen. Apropos Erkenntnis. Verantwortungsdiffusion tut niemandem gut. Die Länder schieben die Verantwortung zum Bund und dieser hat ja Gott sei Dank noch Europa, um den Schwarzen Peter weiterzuschieben. Wie wäre es mit vorausschauendem Handeln für die eigene Bevölkerung. Ein deutsches Unternehmen ist in der ersten Liga der Impfstofforschung. Warum agiert man dergestalt zögerlich, dass andere Länder einem den Impfstoff vor der Nase wegschnappen? Warum bestellt man nicht von vielversprechenden Schnelltests ausreichende Mengen, um Schulen, Arbeitsplätze, Einkäufe sicherer zu machen? Wir testen zu wenig, wir haben zu wenig Impfstoff, wir konnten kaum Erkenntnisse über die häufigsten Verbreitungsorte gewinnen, wir schleppen uns von einem Lock-down zum nächsten, ohne kluge Exit-Strategien aus diesem Dauerlock-down zu entwickeln. Tübingen und Rostock gehen eigene und erfolgreiche Wege. Warum nicht von den Besseren lernen? Statt ständig auf der Stelle zu treten, sollten wir nun einen Strich unter das verfehlte Pandemie-Management ziehen und neu durchstarten. Sonst stehen wir in einem Jahr nicht nur vor den Trümmern zahlreicher Existenzen , sondern vor den Trümmern unserer Demokratie und dem Vertrauen in dieselbe. 

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